Das Klavierkonzert in der klassischen Musik

Die klassische Musik wird von der breiten Masse meist mit kritischen Augen und Ohren betrachtet. Einige verurteilen sie als „abgehoben“ oder unverständlich. Das Publikum in Konzerten, in denen klassische Musik gespielt wird, besteht oft zu einem Großteil aus älteren Menschen – die Popularität bei jüngeren Klassik-Liebhabern steigt jedoch. Besonders Klavierkonzerte haben sich in letzter Zeit als besonders publikumswirksam herauskristallisiert. Was klassische Musik ausmacht und im Speziellen das Klavierkonzert so reizvoll macht, wird im folgenden Text erörtert.

Ein Grund, warum klassische Musik oftmals nicht honoriert wird, kann des Zuhörers fehlendes Verständnis oder Wissen sein. Dabei folgt die klassische Musik genauso wie die heutige Unterhaltungsmusik jeglicher Art einem bestimmten Schema oder Regeln. Einmal erfahren kann sich dem Zuhörer ein ganz anderes Klangbild erschließen und ihm wird die Schönheit der Musik erst bewusst. Große Meister wie Mozart, Beethoven, später auch Liszt oder Tschaikowsky haben nicht nur wunderschöne Melodien komponiert, welche Herz und Seele berühren, sondern haben ihren Werken in der komplexen Komponierweise der Simplizität genug Raum gelassen. Alle vorhin genannten Komponisten haben sich auch der kompositorischen Form des „Klavierkonzerts“ gewidmet, welche sich nach wie vor in Konzertprogrammen großer Beliebtheit erfreuen.

Ein Klavierkonzert ist eines der gängigsten Formen für die klassische Musik, welches genau wie z.B. Symphonie, Sonate oder Streichquartett einem festgelegten Schema folgt. Wie jede „größere“ Komposition in der klassischen Musik gibt es auch im Klavierkonzert verschiedene sogenannte Sätze, wobei man am häufigsten drei Sätze mit der Abfolge „schnell – langsam – schnell“ vorfindet. Der Titel verrät bereits, dass das Klavier die tragende Rolle übernimmt. Unterstützt wird der Pianist von einem Orchester. Beispielsweise ist bei den Klavierkonzerten Mozarts ein kleines Orchester (bereits ab etwa 15 Musikern) zu finden, bei Tschaikowsky bereits ein großes Orchester mit etwa 60 Musikern. Meist wechseln sich Solist und Orchester innerhalb von Klavierkonzerten ab; einige Passagen werden gemeinsam musiziert. Im Vordergrund steht aber meist der Klavierklang, der sich vom restlichen abhebt, obwohl nur ein einziger Musiker am Klavier dem gesamten Orchester gegenübersteht.

Die genaue Struktur von Klavierkonzerten orientiert sich meist an dreisätzigen Klavier-Solosonaten, wie sie spätestens ab Mozart (1756-1791) definiert wurden.

Der erste Satz (schnell) folgt der Form des sogenannten „Sonaten-Hauptsatzes“, welcher aus verschiedenen Teilen besteht: Anfangs steht die „Exposition“. Ein Hauptthema wird musikalisch vom Orchester eingeleitet und später vom Solo-Klavier übernommen. Innerhalb der Exposition findet sich ein kontrastreiches zweites Thema wieder, welches schließlich zur anfänglichen Stimmung zurückführt wird. Anschließend wird das Hauptthema motivisch verarbeitet – sprich: rhythmisch, harmonisch oder instrumental abgewandelt („Durchführung“). Als Erinnerung kommt dasselbe Thema vom Anfang wieder („Reprise“) und wird schließlich in einem Schlussteil („Coda“) abgerundet.

Der zweite Satz (langsam) besteht meist aus einem liedhaften Thema, welches durch einen Mittelteil erweitert wird. Man nennt diese Form auch deshalb „Liedform“ oder „Da-Dapo-Form“, da dieses Hauptthema am Ende von Neuem erklingt. Es ergibt sich ein einfach zu folgendes Schema (A-B-A).

Der dritte Satz, auch Finale genannt (schnell) ist meist ein Rondo. Für Zuhörer ist dies meist am wirkungsvollsten und am zugänglichsten, da das zu Beginn vorgestellte musikalische Thema immer wieder auftaucht. Grob gesagt kann man sagen, dass sich zwischen die Einsätzen des Hauptthemas immer wieder Zwischenspiele einfügen. Am Ende findet sich ähnlich wie beim ersten Satz ein Schlussteil (Coda). Es ergibt sich etwa folgende Form: A-B-A-C-A-… Coda

Eine Besonderheit in Klavierkonzerten sind die sogenannten „Kadenzen“, die besonders die Fähigkeiten des Pianisten unter Beweis stellen. Diese waren in damaliger Zeit vom Komponisten frei improvisierte Teile innerhalb des Klavierkonzerts, die im Laufe der Zeit mehr und mehr auskomponiert wurden. Formal steht die Kadenz meist vor der Coda im ersten Satz, jedoch gibt es auch häufig improvisierte Zwischenspiele und eine Kadenz im Finalsatz.

Aufgrund der abwechslungsreichen Stimmung, der spektakulären Wirkung eines Klaviervirtuosen und dem Wechselspiel zwischen Solisten und Orchester, ist das Klavierkonzert ein Aushängeschild für die klassische Musik.

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